Skyfall – Filmkritik

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Review of: Skyfall

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Rating:
5
On 3. November 2012
Last modified:4. Mai 2013

Summary:

„Skyfall“ ist von Beginn an rasant, hat zwischendurch seine Längen, ist aber niemals langweilig. Ein alternder Bond der auf seinen viel jüngeren Quartiermeister trifft, der ihm wiederum erklärt, „“I can do more damage on my laptop in my pyjamas than you can do in a year in the field.” Der Kampf zwischen Tradition und Innovation ist unglaublich unterhaltsam. Selbst Bond darf Altersschwächen zeigen, so ist das nun mal.

Als Teenager war ich ein besonders guter Fan. Die geliebte Band schallte nicht nur aus den Boxen, sondern war auch in meinem Kinderzimmer visuell sichtbar. Zur Freude aller Mitbewohner. Dann kam lange nix. Schwärmen durfte Frau natürlich nur als Teenager, später sowieso nur mehr für reale Menschen. Wie langweilig. Jetzt ist man halt ein „Nerd“ oder „Geek“ und darf so seine Vorlieben wieder ausleben: Bei „Der Herr der Ringe“ kamen Menschen verkleidet in die Kinovorstellungen, bei Transformers freuten sich Jungs wie kleine Kinder auf die zum Leben erwachten Spielzeugfiguren. „The Big Bang Theory“ wird fleißig auf DVD gekauft. Früher war man Fan, heute ist man Nerd.

Ich bin kein Twihard und Shades of Grey ist mir einfach zu dämlich. Was bleibt ist Batman und James Bond. Zwei Helden, die im heutigen Jahrhundert angekommen sind. Dank guter Filme und noch besseren Schauspielern. Nach „Casino Royale“ war Bond für mich cool. Die alten Filme sind mir noch immer total egal, während nostalgische-Bond-Liebhaber noch immer verträumt an Sean Connery oder Roger Moore denken. Für mich ist Bond Craig. Daniel Craig. Kein Schönling, aber eine verdammt gute Besetzung.

Top-notch Bond

In „Skyfall“ geht James Bond gleich mal auf Tauchstation. Alle glauben er ist tot, wieso das nicht ausnützen? Mit viel Alkohol und Sex mit schönen Frauen lebt er den Aussteigertraum schlechthin, natürlich irgendwo unter Palmen. Doch dann wird das MI6 Hauptquartier in London angegriffen und Bond muss wieder zurück, die Welt und natürlich M (Judi Dench) retten. Doch das Aussteigerleben hat Spuren hinterlassen: tiefe Augenringe, Drei-Tage-Bart inklusive einer geschrumpften Kondition. Klimmzüge klappen auch nicht mehr so richtig. – Bond ist schließlich nicht mehr der Jüngste. Aber keine Sorge, M schickt ihren (Lieblings-)Agenten trotzdem in den Dienst, um den Bösewicht aufzuspüren, der es auf sie abgesehen hat…

„Skyfall“ ist von Beginn an rasant, hat zwischendurch seine Längen, ist aber niemals langweilig. Ein alternder Bond der auf seinen viel jüngeren Quartiermeister trifft, der ihm wiederum erklärt, „I can do more damage on my laptop in my pyjamas than you can do in a year in the field.”
Der Kampf zwischen Tradition und Innovation ist unglaublich unterhaltsam. Selbst Bond darf Altersschwächen zeigen, so ist das nun mal.
Eine weitere Stärke von „Skyfall“ ist sein Bösewicht. Als James Bond zum ersten Mal auf Silva (großartig: Javier Bardem) trifft, ist er in Handschellen und gar nicht so irritiert als Silva ihm zärtlich über seinen Oberkörper streicht: „What made you think that this was my first time?“ sagt Bond mit seinem bekannten Grinser. Ja, was ist schon dabei? Bond würde doch so und so alles vögeln.

Die Schwächen des Films sind Bonds Frauen (bis auf M natürlich – die ist gut wie eh und je). An Eva Green in „Casino Royal“ ist noch keine rangekommen. Schön sind die beiden Skyfall-Ladies ja, aber die eine kann in High Heels nicht gehen und passt zu viel geschminkt eher in „Harry Potter“ als in Bond, die andere ist sympathisch, entscheidet sich aber am Ende dann doch für den Sekretariatsjob. Hm. Immerhin konnte sie wenigstens eine Waffe bedienen und musste nicht von Bond gerettet werden. Doch es gibt noch Hoffnung: Craig hat für zwei weitere Bond-Filme unterschrieben. Als Regisseurin schlage ich mal eine Frau vor. Kathryn Bigelow („Hurt Locker“) zum Beispiel. Dann klappt’s auch mit den Frauen!

God save Bond. James Bond.

Bewertung:
5 von 5 Filmrollen